Teil 7


Die Schritte kamen stetig immer näher.

"Nein, mein Gott, bitte nicht!" betete ich innerlich. Das durfte nicht wahr sein. Die Bilder der Hinrichtungen von unserem Planeten standen mir wieder vor Augen und ich fühlte mich so hilflos.

Wir versuchten, keine Geräusche von uns zu geben. Aber wir wussten, dass unsere Flucht hier und jetzt ein Ende haben würde.

Die Schritte, die näher kamen stammten von einem etwa 30 Jahre "alten" Skin. Jedenfalls sah seine Husk so aus.

Als er uns entdeckte hob er sofort seine Hand und rief nach den anderen. Eine Sekunde später hatte auch Michael seine Kraft bereit. Er sandte einen Energiestoß aus und warf den Skin somit zu Boden.

Wir hörten bereits weitere Personen auf uns zu kommen und liefen wieder ein Stück zurück ins Innere der Spalte.

"Wir müssen klettern!" rief Michael mir zu und wir begannen, die sandigen Felsen hoch zu steigen.

Doch es war bereits zu spät - nachdem wir cirka 2 Meter geschafft hatten sahen wir mehrere Skins die uns erreicht hatten. Und als ich hochblickte sah ich Nicolas - er wartete oben schon...




Wütend stand er über uns und hatte seine Hand gehoben. Er wusste, dass wir das Pentagon-Gerät von Lonnie gestohlen hatten und war bereit, sich zu verteidigen.

Michael war klar, dass seine Kräfte gegen Nicolas nicht ausreichen würden und verhielt sich deshalb, genauso wie ich auch, ruhig. Außer Atem hielten wir uns an der Felswand fest und starrten nach oben.

"Ist es nicht unter eurer Würde sich wie zwei Ratten hier zu verstecken?" fragte er. "Euch war doch wohl klar, dass wir euch früher oder später finden würden? Und was hat euch euer kleiner Ausflug nun gebracht? Nichts! Nur Lonnie ist wirklich verdammt wütend auf euch." Er lächelte leicht. Wahrscheinlich malte er sich gerade aus, was sie mit uns anstellen würde.

"Kommt jetzt da unten raus. Das ist wirklich lächerlich..."

Da unsere Lage aussichtslos war, stiegen wir wieder nach unten und ließen uns von den Skins zu Nicolas bringen.

"Gib mir den Tricium-Verstärker." sagte er zu Michael und streckte die andere Hand aus. Michael überreichte ihm das Pentagon-Gerät. Mit einer Drehung der blau pulsierenden Oberfläche schaltete er es ab. Somit funktionierten unsere Kräfte also erneut nicht mehr. Nicolas hatte einen weiteren Verstärker eingeschaltet. Man konnte die Geräusche, die er von sich gab hören...

Bei Nicolas befanden sich auch Rath und Lonnie.

Lonnie hatte eine rote und geschwollene Wange und giftete Michael mit ihren unbeschreiblich bösen Blicken an.

Scheinbar hatte sie aber den Befehl, sich ruhig zu verhalten und so ging sie nur zu Michael hinüber, fasste ihn am Oberarm und begann wieder zurück zur Fabrik zu laufen.

Wir verhielten uns beide ruhig da wir wussten, dass wir der Übermacht von so vielen Skins, Rath und Lonnie nichts entgegen setzen konnten.




Sie brachten uns wieder zurück in die große Halle. Lonnie behandelte Michael grob und mein Magen krampfte sich zusammen als ich sah, wie sie diesen stolzen Jungen herumschubste wie ihr Eigentum.

Als wir dort angekommen waren fragte Nicolas einen der anwesenden Männer, ob sie immer noch keine Rückmeldung über den Verbleib von Max, Tess und Isabel bekommen hatten. Der Mann verneinte dies und Nicolas meinte, dass er langsam die Geduld verlieren würde. Dann fragte er uns:

"Wer von euren Freunden hat ein Handy bei sich?"

Wir reagierten beide nicht auf seine Frage. Weshalb wollte er jemanden von den anderen erreichen? Es konnte also wirklich nur bedeuten, dass seine Männer nicht fähig waren, sie zu finden!

"Versteht ihr meine Sprache nicht? Ich bekomme eine Antwort - so oder so."

Das wiederum bedeutete, dass er erneut versuchen würde in unsere Erinnerungen einzudringen. Wieder würde er uns Schmerzen zufügen... Michael blieb noch immer starr stehen. Als Nicolas dann aber auf ihn zu ging wich er einen Schritt zurück.

Diese Geste verriet mir, dass er genauso große Angst vor dem "Gedankenraub" hatte wie ich.

"Maria hat ein Handy." sagte ich dann schnell.

Michael warf mir einen bösen Blick zu.

"Sehr gut." sagte Nicolas "Und die Nummer?"

Ich gab sie ihm. Ich wollte nicht, dass er Michael wieder weh tat. Er verstand das vielleicht nicht - aber es war das wenigste was ich tun konnte, um Nicolas davon abzuhalten.




Ein anderer Skin brachte ein Handy und Nicolas wählte die Nummer die ich ihm gegeben hatte. Michael beobachtete ihn mit versteinertem Gesichtsausdruck. Ich konnte mir vorstellen wie gerne er selbst mit Maria sprechen wollte. Kurz darauf sagte Nicolas:

"Nein, hier ist nicht Michael." er blickte kurz zu ihm hinüber, konzentrierte sich dann aber wieder auf sein Gespräch.

"Genau... Der Skin. Gib mir Max Evans..." dann lächelte er und wiederholte genervt: "M a x E v a n s. Gib ihn mir und hör´ auf mir zu drohen!"

Ich blickte zu Michael hinüber und konnte einen Anflug von Genugtuung auf seinem Gesicht erkennen. Er hoffte wohl genauso wie ich, dass Maria diesem Knirps die Leviten gelesen hatte.

Es dauerte einen Moment bevor "der Knirps" wieder sprach. In der Zwischenzeit hatte Maria das Handy wohl an Max weiter gegeben.

"Ich bin sicher, Du vermisst bereits zwei Deiner Freunde, Max. Sie sind hier, bei mir." ... "Was ich will? Du weißt, was ich will." ... "Deswegen waren wir in New York! Sei´ vorsichtig, dass Du nun nicht auch wieder eine falsche Entscheidung triffst! Ich melde mich in einer Stunde wieder."

Er legte auf, ohne eine Antwort abzuwarten.

Mit einem Wink deutete er zwei weiteren Männern, Michael und mich in einen anderen Teil der Lagerhalle zu bringen. Dieses Mal war es eine kleine Kammer mit einer Eisentür die aber ein offenes Gitterfenster hatte... so konnten sie uns leichter kontrollieren.




"Wenigstens haben sie uns dieses Mal nicht gefesselt." sagte Michael.

"Das brauchen sie auch nicht zu tun, Michael. Wie Du siehst hat er diesen Standort hier sorgfältig ausgewählt, so dass wir keine Chance hatten zu entkommen."

"Wir hätten abwarten müssen bis es Nacht ist." sagte er müde. Er war ausgelaugt und saß auf dem Boden.

Ich lief unruhig umher und überlegte, was wir tun konnten. Max würde sich hoffentlich niemals auf einen Deal mit Nicolas einlassen. Wenn die Skins auf unseren Heimatplaneten zurückkehren würden, dann würde das für die Bevölkerung nur noch mehr Unterdrückung bedeuten da Nicolas ein hoher Befehlshaber von Kivar war. Wahrscheinlich war er sogar noch gnadenloser als er.

Jetzt, da ich mich wieder an die Einzelheiten unserer Vergangenheit erinnerte war mir bewusst, welche Nicolas besaß. Eine kindliche Husk für ihn zu wählen war eine gerissene Strategie gewesen - obwohl ich mir sicher war, dass er sich inzwischen wünschte, die Hülle eines Erwachsenen gewählt zu haben...

Die Husk war jedoch der einzige Angriffspunkt, der sich uns momentan bot. Nicolas´ Kräfte waren zu stark und nicht einmal Max würde die Fähigkeit haben, sich gegen ihn aufzulehnen.

Ich erinnerte mich, wie man Zan damals überwältigt hatte nachdem Vilandra ihn an Kivar und Nicolas verraten hatte. Alle seine Beschützer konnten nichts gegen den plötzlichen Machtanstieg Kivars ausrichten den er durch den Mord an Zan´s Vater erhalten hatte...

"Willst Du wissen, wie es damals passiert ist?" fragte ich Michael. Ich hatte auf einmal das Bedürfnis ihm alles zu erzählen was mir über Nicolas und Kivar ins Gedächtnis kam.

"Was? Die Übernahme durch die Skins?" fragte er.

Ich nickte und begann zu erzählen.




"Die Skins kommen eigentlich von einem benachbarten Planeten. Unser Planet ist der größte von 5 bewohnbaren Planeten in unserem Sonnensystem. Antar - unser Heimatplanet ist derjenige mit den größten Ressourcen. Nachdem die Vorräte auf dem Planeten der Skins langsam zur Neige gingen, brachen sie das Bündnis das zwischen unseren 5 Hauptplaneten seit Jahrhunderten herrschte und erklärten Antar den Krieg.

Sie wollten Alhabor - Zan´s Vater - vom Thron stürzen und somit über alle Ressourcen Besitz ergreifen und das Volk unterwerfen. Doch ihr erster Versuch scheiterte und sie heckten einen neuen Plan aus.

Unsere eigentliche Erscheinungsform basiert auf sehr viel Energie. Immer wenn ein Antarianer starb, ging seine Energie auf seine Nachkommen über wenn sie zum Zeitpunkt des Todes in seiner Nähe waren. Kivar schmiedete aber den Plan, Alhabor durch einen Hinterhalt zu töten und somit seine Energie der seinen hinzu zu fügen. Dies gelang ihm auch..."

Ich musste eine kurze Pause machen da mich eine Welle von Gefühlen überrollte - Gefühle, die ich damals empfunden haben musste als unser großer Herrscher auf einmal nicht mehr da war...

Michael sah mich erwartungsvoll an. Er lauschte gebannt meinen Worten. Er hatte sein ganzes Leben lang nach Antworten gesucht - und hier waren sie nun... Also versuchte ich, die Gefühle beiseite zu schieben und weiter zu erzählen.

"Die Energie, die Kivar erhalten hatte, war aber mit der seinen nicht kompatibel und somit musste er erst einige Zeit warten, bis er von ihr Gebrauch machen konnte. In dieser Zeit wurde Zan der König von Antar. Nach unserer Zeitrechnung regierte er etwa 2 Jahre. Er war ein weiser und stolzer König.

Du, beziehungsweise Rath war sein stellvertretender Kommandeur und gemeinsam konntet ihr jeden weiteren Angriff der Skins abwehren bis Kivar gelernt hatte, die Energie von Alhabor einzusetzen.

Und dann war da natürlich noch Vilandra...

Sie liebte Kivar seit ihrer Jugend. Damals herrschte noch Friede zwischen unseren Welten. Es war eine heimliche Liebe - denn eigentlich sollte sie ja Rath´s zukünftige Frau werden. Als Kivar dann begann, Antar anzugreifen wechselte sie mehr und mehr auf seine Seite. Sie liebte ihn zu sehr um ihn aufzugeben.

Und eines Tages verriet sie ihm, wo wir alle unseren geheimen Stützpunkt hatten. Dort hat er dann alle mit einer riesigen Armee verhaften und die Regierung für gestürzt erklären lassen. Das Volk wehrte sich daraufhin erbittert gegen die Unterdrückung. Jedoch ohne Erfolg.

Nachdem Kivar sämtliche Macht an sich gerissen hatte, ließ er auch Vilandra verhaften. Er hatte sie nur benutzt... und ließ uns dann alle bei einem Schauprozess umbringen."

Hinter uns hörten wir auf einmal ein Klatschen und Lonnie erschien am Gitterfenster.

"Ist das nicht eine rührende Geschichte?" fragte sie Michael. Dann wandte sie sich an mich:

"Du hast nur eines verwechselt, Jen. Zan hat Vilandra umgebracht, nicht Kivar."

"Und woher weißt Du das so genau?" fragte ich sie. Sicher hatte Nicolas ihr diese Lügen in den Kopf gesetzt.

Statt einer Antwort redete sie einfach weiter: "Natürlich wartet Zan´s Mutter sehnlichst auf eure Rückkehr. Sie hofft immer noch, dass ihr fünf Witzfiguren tatsächlich etwas gegen Kivar bewirken könntet. Sie war ja diejenige, die dafür verantwortlich war, dass man uns alle hierher geschickt hat. Wenn ihr mich fragt, kann sie mir gestohlen bleiben."

Dann öffnete sie die Tür. "Los geht´s. Wir haben ein Treffen mit euren Freunden arrangiert!"



Teil 8


Wenige Minuten später saßen wir wieder im hinteren Teil des Lieferwagens. Wenigstens hatten sie uns dieses Mal aber alleine gelassen. Der Tricium-Verstärker befand sich vorne beim Fahrer. Leider reichte seine Kraft noch immer bis zu uns.

Ich fühlte mich schrecklich. Max und die anderen würden in eine Falle gelockt werden. Und Michael und ich waren die Köder. Wir konnten nichts dagegen tun...

Michael unterbrach plötzlich meine Gedanken.

"Ich habe über das nachgedacht, was Du mir erzählt hast." begann er. "Wenn also Kivar seine Kraft von Alhabor bekommen hat - woher hat dann Nicolas seine erhöhten Kräfte? Er muss sie dann auch von jemandem aus unserem Volk erhalten haben, oder?"

Seine Worte trafen mich wie ein Schlag. Ich hatte es ihm nicht sagen wollen - ich hätte es am liebsten selbst vergessen...

"Nicolas... hat Deine Kraft." sagte ich dann langsam.

Er blickte einige Sekunden ins Leere bis er das soeben Gehörte verarbeitet hatte.

"Dann hatte er das also gemeint als er mir sagte, er hätte mich in meinem vorherigen Leben eigenhändig getötet..." Er machte eine kurze Pause. "Und wie...?"

Ich atmete tief durch.

"Willst Du das wirklich wissen?" fragte ich dann.

Er nickte.

"Du hast mir doch erzählt, dass Du einmal gesehen hast, wie Nasedo jemanden getötet und danach seine Gestalt angenommen hat indem er etwas von ihm in sich aufnahm." begann ich.

"Ja, das war als Max in dem "weißen Raum" gefangen gehalten wurde."

"Genauso wurde das auch bei uns gemacht. Nur waren wir noch am Leben..."

Meine Stimme zitterte. Was wir alle auf unserem Heimatplaneten erlebt hatten konnte man eigentlich nicht in Worte fassen.

"Willst Du damit sagen, dass man uns also die Energie entzogen hat?"

"Ja. Da unsere Spezies zum größten Teil aus reiner Energie besteht entzog man uns also unsere Lebensgrundlage. Jeder Führungsoffizier Kivars bekam die Energie eines von uns."

Nach einer kurzen Pause fuhr ich mit Tränen in den Augen fort:

"Wir konnten damals fühlen, wie sie unser Leben langsam in sich aufnahmen, Michael! Es war so schrecklich!"

Wieder blickte Michael vor sich ins Leere. Dann fragte er:

"Wie sieht es mit Deiner Energie aus? Hast Du größere Kräfte als wir?"

Ich schüttelte den Kopf. "Nein. Wir haben alle das gleiche Potential. Unsere gesamten Fähigkeiten sind menschlich. Wir sind nur weiter entwickelt."

"Das hat mir Nasedo auch erzählt. Wir sind den Menschen einige Jahrtausende voraus."

"Genau. Und außerdem weiß ich noch immer nicht richtig wie man sie anwendet... es würde uns also nichts nützen. Selbst wenn sie größer als eure wären."

"Das weiß man nie. Du hast mir auch mit Rath geholfen..."

Ich blickte ihn unsicher an. Eigentlich hatte ich keine Ahnung gehabt was ich getan hatte, als ich den Energiestoß gegen Rath aussandte.

"Das war eigentlich mehr ein Blindgänger..." gestand ich. "Ich dachte nur, ich müsste irgend etwas tun."

"Es hat funktioniert. Das ist alles was zählt." antwortete er dann. Er fuhr sich durch die Haare und seufzte. Er musste das alles zuerst einmal verarbeiten.

Nach einer Weile sagte er: "Du musst Deine Fähigkeiten nur trainieren. Ich selbst habe auch lange gebraucht bis ich sie unter Kontrolle hatte."

"Wirklich?" Dann fiel mir ein, dass Michael damals Agent Pierce getötet hatte. Liz erzählte mir, es wäre ein Unfall gewesen und dass Michael sehr darunter gelitten hatte. Um ihn etwas abzulenken sagte ich dann:

"Ich würde Max so gerne warnen. Ich konnte den anderen noch nicht einmal etwas von den Tricium-Verstärkern sagen. Sie wissen nicht, auf was sie sich da einlassen."

"Sie werden eine Lösung finden - glaube mir." antwortete er. Doch es klang mehr so, als würde er es zu seiner eigenen Beruhigung sagen. Wirklich überzeugt war er nicht.




Nach einiger Zeit erreichte der Wagen scheinbar sein Ziel. Er stoppte. Wir konnten nicht sehen wo wir uns befanden da es keine Fenster im Hinterteil des Lieferwagens gab.

Nervös wartete ich ab, was nun folgen würde. Die Stille, die um uns herum entstanden war erschien mich zu erdrücken und ich hätte am liebsten gegen die verriegelte Tür geschlagen. Doch statt dessen musste ich mich zusammenreißen und ruhig sitzen bleiben.

Dann wurde die Tür geöffnet und Rath stieg in den Wagen.

"Los geht´s!" Er deutete uns an, ihm zu folgen.

Also kletterten wir aus dem Lieferwagen und sahen, dass wir uns vor der Höhle mit den Geburtskammern befanden. Alle Skins waren bereits anwesend.

Ich blickte mich um. Max und die anderen waren nirgendwo zu sehen. Doch weit hinten am Horizont konnte man aufgewirbelten Sand und Staub erkennen. Sicher waren sie schon auf dem Weg zu uns.

Lonnie kam zu uns herüber und sagte:

"Ihr werdet euch ruhig verhalten. Wenn ihr nur eine minimale Andeutung darüber macht was hier abgeht, dann schwöre ich euch, dass Rath und ich euch zum Schweigen bringen werden. Für immer!"

Dann packte sie Michaels Arm und zog ihn in Richtung des Eingangs der Höhle. "Wir beide haben noch eine Rechnung offen. Wenn unser kleines Geschäft hier abgewickelt ist wirst Du Dir wünschen, Du hättest fester zugeschlagen als Du noch die Chance dazu hattest!"

Rath griff nun auch meinen Arm und folgte den beiden. Vor dem Eingang zur Höhle blieben wir stehen. Rath stellte sich hinter mich und legte seine Hand auf meine Schulter. Steif blieb ich stehen und beobachtete, wie Nicolas noch einmal alle anwies, die Tricium-Verstärker zu überprüfen.




Inzwischen war Max´ Jeep einige Meter vor der Höhle angekommen. Er stoppte und Max stieg zusammen mit Isabel und Tess aus. Sie blickten angespannt der Übermacht von Skins entgegen. Mein Herz pochte so stark, dass ich befürchtete, dass Rath es fühlen konnte. Ich schloss kurz meine Augen und versuchte mich zu beruhigen.

Dann trat Max hervor und ging zu Nicolas.

Auf dem Weg dorthin sah er uns ernst an. Auch Tess und Isabel konnte man ihre Sorge ansehen.

"Willkommen, Max." sagte Nicolas als dieser ihn erreicht hatte.

"Was willst Du?" war alles, was Max fragte.

"Diese Unterhaltung hatten wir doch schon am Telefon... ich will den Granilith. Kivars Angebot steht noch immer. Ihr kommt mit uns zurück und Du wirst als König anerkannt. Allerdings nur pro Forma! Kivar verbleibt die alleinige Regierungsgewalt."

Max sah ihn einige Sekunden ruhig an.

"Du weißt, dass ich das nicht zulassen kann." sagte er dann.

Nicolas lächelte leicht und bewegte dann seine Hand in unsere Richtung.

"Ich sehe eigentlich keine andere Möglichkeit für Dich, Max. Zwei von euch haben wir bereits in unserer Gewalt. Und es wäre kein Problem für mich, euch alle zu zwingen den Granilith zu aktivieren... aber warum willst Du das provozieren, Max? Willst Du denn nicht auch, dass unser Volk wieder in Frieden leben kann?"

"Unser Volk?" fragte Max erbost. "Es ist nicht euer Volk das ihr da quält. Es ist mein Volk! Kivar wird das nie ändern und aus diesem Grund werde ich keinem Abkommen über die Aushändigung des Granilith zustimmen!"

"Das ist schade..." sagte Nicolas gelassen und hob kurz seine Hand. Max wurde durch den Energiestoss zurück geschleudert, prallte an die Seite seines Wagens und fiel zu Boden. Benommen blieb er einen Moment liegen. Als er sich wieder etwas erholt hatte rief er:

"Jetzt Isabel!"

Dann hob Isabel ihre Hand in Richtung Himmel und über uns allen erschien plötzlich ein grün schimmerndes Feld. Es sah aus, wie Max´ Protektionsfeld.

Das Licht unter dem Schild verwandelte sich in ein grelles Violett und es wurde sehr heiß um uns herum.

Rath verstärkte plötzlich seinen Druck auf meiner Schulter und ich biss die Zähne zusammen. Ich befürchtete, er würde mir jeden Augenblick das Schlüsselbein brechen.

Wenige Sekunden später begannen die Skins zu schreien, warfen sich zu Boden und versuchten, Stellen welche nicht von ihrer Kleidung bedeckt waren vor dem Licht zu verbergen.

Erschrocken sah ich mich um. Obwohl diese Leute unsere Feinde waren, war es ein schrecklicher Anblick. Ich sah ,dass sich ihre Haut langsam ablöste und in Fetzen herunter hing.

"Es ist genug!" sagte Max dann nach einer kurzen Weile und Isabel nahm ihre Hand wieder herunter. Das Feld erlosch.

Alle Skins lagen am Boden und sahen aus, als hätten sie Verbrennungen auf ihrer Haut. Ein widerlicher Geruch lag in der Luft.

Auch Nicolas lag am Boden und bedeckte noch immer sein Gesicht. Max trat an ihn heran.




Als Max sich ihm näherte, packte mich Rath noch fester an der Schulter, legte seinen Arm über meinen Oberkörper und zog mich an sich. Lonnie hielt Michaels Arm verdreht mit einer Hand hinter seinem Rücken und hatte die andere flach auf seine Wirbelsäule gelegt. Er bewegte sich nicht. Anscheinend hatte sie ihm gedroht sofort ihre Kräfte einzusetzen, wenn er sich nicht ruhig verhielt. Den beiden war bewusst, dass sie Max, Isabel und Tess alleine gegenüberstanden wenn die Skins ausgeschaltet waren.

Max hatte Nicolas erreicht und sagte: "Wie Du siehst, haben wir eine Wahl. Wir haben das Licht in der Granilith-Kammer so modifiziert, dass es hohe Anteile von UV-Strahlung aussendet. Wenn ihr euch der Kammer noch ein mal nähert, wird euch das umbringen. Die Dosis, die Isabel euch gerade verpasst hat, hat die Haltbarkeit eurer Husk wahrscheinlich schon genug geschwächt."

Innerlich breitete sich Erleichterung in mir aus. Sie hatten also einen Weg gefunden, die Husk anzugreifen! Dennoch verstand ich nicht, wie Isabel dies gemacht hatte. Viele der Skins hatten doch die Tricium-Verstärker!

"Aber... die Verstärker!" krächzte Nicolas plötzlich. Er verstand wahrscheinlich auch nicht, warum Isabels Kräfte gewirkt hatten.

"Wir haben einen Verstärker. Der genügt uns." war alles, was Max antwortete.

Dann dämmerte es mir: Der Verstärker von Brody aus dem UFO-Center! Sie mussten ihn sich besorgt haben bevor sie hierher gekommen waren!

Max drehte sich um und sagte zu Tess und Isabel: "Sammelt die anderen Verstärker ein und schaltet sie ab."

Die beiden begannen sofort damit, ließen Michael und mich aber nicht aus den Augen. Sie beobachteten genau Rath´ und Lonnies Aktionen.

Da Nicolas immer noch geschwächt am Boden lag wandte sich Max nun an die beiden Dupes. Er stand vor Michael und mir.

"Lasst sie los." sagte er in einem ruhigen Ton und blickte Rath fest in die Augen.

"Das hättest Du wohl gerne, was Max?" fragte Rath. Er war spürbar nervös geworden und presste mich an sich wie ein Schutzschild. Meine Rippen schmerzten wieder, aber ich traute mich nicht, einen Ton von mir zu geben.

"Ihr wisst, dass ihr keine Chance gegen uns drei habt." Noch immer war Max´ Ton ruhig und sachlich. Ich bemerkte, wie er für einen kurzen Moment einen Blick hinter Rath warf.

Michael stöhnte plötzlich auf und Lonnie ging mit ihm einige Schritte zurück. Dann schrie sie böse:

"Max. Ich schwöre Dir, dass ich den Kerl hier umbringe wenn Du nicht sofort den Granilith für uns aktivierst!"

Ich konnte im Vorbeigehen sehen, dass ihre Handfläche glühte und sie somit ihre Kräfte einsetzte.

Wieder warf Max einen Blick hinter Rath und Lonnie. Dieses Mal lag Sorge in seinem Gesichtsausdruck.

Dann hörte ich, wie Tess rief:

"Sie sind abgeschaltet, Max!"

Sofort hob Max seine Hand und keine Sekunde später fühlte ich, wie seine Kraft uns erreichte. Aber es war kein Schmerz, den er uns zufügte. Es war eine Welle von Gefühlen!

Anspannung und Sorge zugleich überrollten und verwirrten mich. Ich vergaß sogar, dass Rath mich immer noch in seinen Armen hielt.

Dann traf uns ein Schlag weiterer Energie - dieses Mal von hinten und Rath und ich wurden beide nach vorne geschleudert.

Ich landete auf dem Bauch und Rath´s Gewicht drückte mich nach unten in den sandigen Boden. Meine Rippen schmerzten nun so sehr, dass ich keine Luft mehr bekam und versuchte, ihn von mir herunter zu schieben, doch ich konnte mich nicht drehen und er war zu schwer.

Erst dann bemerkte ich, dass er sich gar nicht mehr bewegte, sondern leblos auf mir lag.

Im nächsten Moment hob jemand seinen Körper von mir herunter. Ich versuchte noch immer Luft zu bekommen und Tränen liefen meine Wangen hinab. Ich konnte nichts dagegen tun, der Schmerz war einfach zu groß. Panik breitete sich in mir aus. Ich befürchtete, zu ersticken.

Doch dann drehte mich jemand auf den Rücken - es war Max. Langsam bewegte er seine Handfläche über die Seite meines Brustkorbes. Dann legte er sie auf die Stelle, wo der Schmerz am größten war.

Dann durchströmte mich eine Kraft - seine Kraft.

Sie war schmerzvoll und wunderbar zugleich. Für einen kurzen Moment fühlte ich mich vereint mit Max Evans, schien ganz in ihn hinein sehen zu können.

Dann war es vorbei. Er nahm seine Hand weg, ich sog die dringend benötigte Luft ein und fing an zu husten...




Nach meinem Hustenanfall setzte ich mich auf und nahm Max´ Hand.

"Danke!" sagte ich noch immer atemlos.

Er nickte nur und stand dann auf um zu Michael hinüber zu gehen.

Er saß auf dem Boden und Isabel und Tess kümmerten sich bereits um ihn. Max sah sich seinen Rücken an und legte dann erneut seine Hand auf.

Wenige Sekunden später nahm er sie weg und Michael richtete sich auf.

Er drehte sich um und umarmte Isabel. Erst dann sah ich, dass sein Hemd an der Stelle wo Lonnie ihre Hand gehabt hatte, ein Brandloch hatte.

Ich blickte mich um. Noch immer lagen die Skins am Boden und stöhnten vor Schmerzen. Rath und Lonnie regten sich nicht.

Tess kam zu mir herüber und umarmte mich. Sie zitterte am ganzen Körper und wollte mich gar nicht mehr los lassen.

"Bist Du okay?" fragte sie dann und sah mich an.

"Ja..." Ich war total verwirrt. "Wie habt ihr das nur gemacht?"

Die anderen kamen zu uns herüber gelaufen.

"Maria hat uns den Verstärker aus dem UFO-Center besorgt als sie Brody angeblich ein Sandwich vorbei bringen wollte. Somit konnte wenigstens einer von uns seine Kräfte benutzen. Und da Isabel schon einmal Schnee erzeugt hatte, versuchten wir es mit dem UV-Licht. Wir hatten gehofft, dass es die Husk angreifen würde. Menschliche Körper halten die Strahlung für einen kurzen Zeitraum aus." erklärte Tess.

"Dann wart ihr euch also nicht sicher?" fragte ich. Die drei hatten alles für uns aufs Spiel gesetzt!

"Und wie habt ihr Rath und Lonnie ausgeschaltet?" fragte Michael während er sich neben mich und Tess auf den Boden setzte.

"Ich weiß nicht, das war einfach nur eine Reaktion..." sagte Tess und blickte hinauf zu Isabel. "Wir befanden uns hinter euch und als Max seine Hand hob, taten wir das gleiche. Es war wohl Glück..."

"Ihr habt sie doch nicht umgebracht, oder?" Ich blickte zu den beiden hinüber.

"Nein... sie sind nur bewusstlos." sagte Max und ging zu Lonnie. Er fühlte ihren Puls.

Nicolas war inzwischen aufgestanden und stand unsicher auf den Beinen.

Sofort erhob sich Max aus der Hocke und sagte:

"Ihr werdet nun alle zurück nach Copper Summit kehren - oder wo auch immer ihr her gekommen seid. Versucht nicht noch einmal, in die Nähe der Granilith-Kammer zu kommen. Wir haben eure Tricium-Verstärker - also versucht nicht noch einmal, unsere Kräfte unwirksam zu machen."

Nicolas starrte ihn wütend an. Er sah furchtbar aus. Ich bezweifelte, dass seine Husk sich noch einmal ganz erholen würde.

Dann wandte er sich an die anderen Skins:

"Steht auf! Wir gehen!"

Langsam erhoben sich die restlichen Verletzten und schleppten sich zu ihren Wagen. Nicolas wartete, bis alle eingestiegen waren. Dann trat er näher an Max heran.

"Es ist noch lange nicht vorbei, Max." In seiner Stimme lag Entschlossenheit.

Max blickte ihm nur standhaft in die Augen bis Nicolas sich umdrehte und auch zu einem der Wagen ging. Dann fuhren sie davon.

Er kam wieder zu uns herüber.

"Was machen wir nun mit Rath und Lonnie?" fragte er.



Teil 9


Wir hatten uns alle erhoben und standen ratlos um die beiden Dupes herum. Was sollten wir nun tun?

Lonnie und Rath waren so versessen darauf zurück nach Antar zu kehren... Ich fragte mich, was sie dort erwarteten?

Sicher stand ihnen kein einfaches Leben bevor. Kivar war ein launischer und schnellebiger Herrscher.

Michael unterbrach meine Überlegungen als er sagte:

"Wir sollten zunächst mal dafür sorgen, dass sie ihre Kräfte nicht mehr benutzen können. Sie haben beide einen Tricium-Verstärker bei sich."

Max nickte und ging zu den beiden hinüber. Er durchsuchte Rath´s Taschen, fand kurz darauf den Verstärker und schaltete ihn ab.

Dann ging er zu Lonnie und fand auch ihren Verstärker. Er kam wieder zu uns herüber und gab mir einen davon.

Den anderen händigte er Michael aus.

Isabel und Tess hatten mehrere Verstärker die bereits abgeschaltet waren.

"Wir aktivieren nun alle einen Verstärker der dafür sorgt, dass wir unsere Kräfte benutzen können." schlug Max vor. "Einen anderen drehen wir in die entgegengesetzte Richtung so dass die Kräfte der beiden unwirksam werden."

Noch als wir dabei waren die Geräte zu modifizieren regte sich Lonnie am Boden und kam wieder zu sich. Als sie die Augen aufschlug erkannte ich für einen kurzen Moment sogar Angst in ihrem Gesicht. Doch sie fasste sich schnell und blickte dann böse zu uns auf. Langsam setzte sie sich und sah hinüber zu Rath der noch immer bewusstlos war.

"Was soll das nun werden? Alle gegen einen? Wollt ihr uns jetzt töten? Die fehlerhaften Duplikate einfach beseitigen?" fragte sie fordernd.

"Nein." sagte Max bestimmend. "Niemand wird sterben. Ihr wurdet mit uns zur Erde geschickt und wir werden auch zusammen zurück kehren."

Verwundert blickte ich zu Tess hinüber. Doch sie schien genauso ratlos wie ich. Was hatte Max vor? Meinte er es etwa ernst?




"Max?" Es war Isabel, die sich plötzlich zu ihm umdrehte und ihn ungläubig ansah.

"Sie werden mit uns zurück kehren wenn die Zeit dafür gekommen ist." fuhr Max fort. "Bis dahin müsst ihr es auf der Erde aushalten."

"Das ist ein Scherz, oder?"

Ich erschrak, denn es war Rath der diese Frage stellte. Er musste gerade wieder zu sich gekommen sein. Wütend stand er auf.

"Du glaubst allen Ernstes, dass wir den Schwanz einziehen und auf diesem scheiß Planeten hier versauernd bis ihr euch entscheidet mal nach Hause zu fliegen? Hey, geht das nicht in Deinen Schädel? Wir wollen hier weg!"

"Bist Du mit Deiner Predigt fertig, Moses?" fragte Lonnie und sah Rath genervt an. "Was er damit sagen will ist, dass wir auf keinen Fall wieder von hier verschwinden. Ich weiß wie es war, Vilandra zu sein! Und ich werde alles dafür tun um dieses Leben wieder zu bekommen! Du machst einen großen Fehler, Max. Ihr könnt euch nicht immer hinter den Tricium-Verstärkern verstecken..."

Mit einem Mal reichte es mir. Sie wollte das Leben, das Vilandra geführt hatte wieder bekommen?

"Verstehst Du denn nicht, dass das nicht möglich ist?" schrie ich.

Alle starrten mich erschrocken an. Unbeirrt fuhr ich fort:

"Du kannst dieses Leben nicht wieder haben! Kivar ließ Dich im Stich - er hat Dich sogar getötet! Glaubst Du denn wirklich, dass er sich geändert hat? Glaubst Du, er empfängt Dich und Rath mit offenen Armen?"

"Du hast doch keine Ahnung wovon Du da redest." antwortete sie.

"Oh doch! Ich erinnere mich nur zu gut an alles! Und jetzt sage mir: Würdest Du wirklich zurück zu Kivar wollen wenn ich Dir beweise, dass er Vilandra damals getötet hat?"

Sie blickte mich von oben bis unten abschätzend an. Sie glaubte mir mit Sicherheit kein einziges Wort... Doch dann sagte sie:

"Na schön, beweise es mir."

"Tu´ das besser nicht, Lonnie..." sagte Rath.

"Nur die Ruhe."

Sie kam auf mich zu und blieb vor mir stehen. "Also?"

"Gib mir Deine Hände." sagte ich.

Nach einem kurzen Moment legte sie ihre Handflächen in die meinen.

Nun lag es also an mir... ich musste es schaffen, ihr meine Erinnerungen zu übermitteln.

"Bitte Gott, lass´ es funktionieren." betete ich innerlich und schloss meine Augen.

Ich konzentrierte mich auf das Ereignis des Verrats durch Vilandra.

Nach einem Moment konnte ich die Bilder lebhaft vor meinem geistigen Auge erkennen. Es war wie ein Traum... Dann fühlte ich, wie sich Lonnies Geist mit dem meinen vereinte und ich zeigte ihr, wie Zan und die anderen brutal überwältigt wurden. Ich ließ sie fühlen, was ich damals gefühlt hatte als man uns zu dem Prozess brachte und übermittelte ihr alles, was ich bis zu meinem eigenen Tod sehen konnte: Wie man alle umbrachte - Zan, Ava, Rath und Vilandra. Vilandra wurde eigenhändig von Kivar als erste getötet und er hatte es sogar noch genossen....

Dann öffnete ich die Augen und beendete die Verbindung. Tränen liefen meine Wangen hinab und als ich zu Lonnie aufsah, bemerkte ich, dass auch sie ihren stets bösen Blick verloren hatte.

"Das ist nicht wahr!" sagte sie dann und zog ihre Hände weg.

Sie sah zu den anderen hinüber und schüttelte den Kopf.

"Was hat sie mit Dir gemacht?" fragte Rath plötzlich böse und wollte zu mir herüber kommen. Doch Lonnie nahm seinen Arm und hielt ihn fest.

"Wir können nicht zurück." sagte sie zu ihm.

"Was?" seine Stimme klang so, als würde er jeden Moment ausflippen.

"Wir können nicht ohne die anderen zurück. Es ist wahr, was sie über Kivar sagt..." Sie blickte zu mir herüber "Wir gehen zurück nach New York."

Dann wandte sie sich an Max. "Wenn es soweit ist zurückzukehren, lasst es uns wissen."

Sie drehte sich um und wollte zu einem noch verbliebenen Wagen laufen, doch Rath packte sie an der Schulter und hielt sie zurück.

"Nein!" rief er, kam zu mir herüber und baute sich vor mir auf. Immer noch wütend starrte er mich an.

Ich bemerkte, wie Max, Michael, Isabel und Tess ihre Hände hoben und sie auf Rath richteten.

Ohne sie zu beachten sagte er: "Zeig´ mir, was Du ihr gezeigt hast!"

Ich war mir nicht sicher, ob er es ernst meinte. Er war viel zu aufgewühlt...

Als er dann jedoch seine Hände ausstreckte, ergriff ich sie vorsichtig und schloss erneut die Augen.

Wieder zeigte ich die schrecklichen Bilder unserer Vergangenheit und übermittelte ihm meine Gefühle.

Als ich meine Augen öffnete, blickte er mich direkt an. Für einige Sekunden rührte er sich nicht. Dann zog auch er seine Hände weg, drehte sich um und lief in die Wüste. Nach einigen Metern blieb er stehen.

Lonnie ging zu ihm hinüber, redete kurz leise mit ihm und legte ihren Arm um seine Schultern.

Wir beobachteten sie eine Weile bevor Isabel die Stille durchbrach:

"Was hast Du ihnen nur gezeigt?"

Ich blickte sie an und sagte: "Wie wir alle gestorben sind."

Isabel kam näher. "Kannst Du es auch mir zeigen?" Was ist damals mit uns geschehen?"

Ich sah sie lange an und schüttelte den Kopf. Dann blickte ich hinüber zu Michael dem ich ja bereits schon erzählt hatte, was damals mit uns passiert war.

"Nein, Isabel. Das kann ich Dir nicht antun. Ich werde euch alles erzählen wenn das hier vorbei ist - aber ich werde es keinem von euch zeigen. Es ist einfach zu grausam..."

Ein Teil von mir wünschte sich, dass wir diese Erinnerungen nie ausgegraben hätten.

"Glaubt ihr, sie werden sich wirklich ruhig verhalten und nach New York zurückkehren?" fragte Tess.

Wieder blickten wir zu den beiden hinüber. Sie saßen dort draußen in der Wüste.

"Da bin ich mir sicher..." sagte ich leise.




Nachdem wir abgewartet hatten, bis Rath und Lonnie mit dem Wagen weg gefahren waren, machten auch wir uns auf den Weg zurück nach Roswell.

Liz, Maria, Alex und Kyle warteten im Crashdown auf uns und waren sicherlich schon ganz krank vor Sorge.

Ich schlief fast den ganzen Weg bis zum Café. Inzwischen war die Sonne fast untergegangen und ich wollte eigentlich nur noch in mein Bett...

Doch mir war klar, dass den anderen 1000 Fragen durch den Kopf gingen und sie erfahren wollten, was heute alles geschehen war.

Als der Wagen vor Liz´ Zuhause stoppte sah ich schon, dass die anderen auf dem Weg nach draußen waren.

Sie stürmten an den Wagen und alle umarmten sich zuerst einmal. Michael schloss Maria in seine Arme, Max und Liz küssten sich innig und Alex und Isabel hielten sich einfach fest.

Ich lächelte und stieg erst mal aus. Dann sah ich Kyle, wie er Tess umarmte und dabei aber immer wieder zu mir herüber sah.

Ich lächelte ihn müde an und ging zu den beiden hinüber. In seinem Gesicht konnte man noch immer Spuren der Sorge erkennen, die er sich wohl um uns gemacht hatte.

"Hey..." sagte ich.

"Ich bin so froh, dass es euch gut geht." Er ließ Tess los und umarmte nun auch mich herzlich.

Kurz darauf kamen auch Liz, Maria und Alex mit den anderen zu uns herüber.

"Es tut gut, euch alle wieder zu sehen." sagte ich. "Wie wäre es nun mit einer Coke? Ich bin am verdursten!"

Liz lächelte kurz und sagte dann "Ja, klar. Kommt rein. Ihr müsst uns unbedingt erzählen was passiert ist. Wir haben 1000 Fragen..."

Nun konnte ich ein Grinsen nicht mehr zurück halten... waren das nicht genau meine Worte?

Als wir alle gemeinsam im Crashdown saßen und erzählten fühlte ich mich das erste Mal in meinem Leben als fester Teil einer Gemeinschaft. Egal, ob menschlich oder außerirdisch - diese Gemeinschaft schien alle Grenzen zu sprengen und ich war glücklich, dazu gehören zu dürfen. Nun hatte mein mir vorherbestimmtes Leben also erst richtig begonnen - hier, in Roswell / New Mexico.


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